Fachbereich
Wo andere nicht mehr atmen können
Wenn Rauch, Hitze und giftige Gase den Weg versperren, gehen Atemschutztrupps hinein – zur Menschenrettung und Brandbekämpfung. Dafür braucht es verlässliche Technik und viel Training.
Quellen: Feuerwehrzeitungen 2020 und 2025, Einsatzberichte 2021 und 2023 · Fotos: FF Reichenthal
Schwerer Atemschutz
Atemschutz ist ein Grundbaustein der Einsatzfähigkeit. Mit schwerem Atemschutz kann die Feuerwehr dort arbeiten, wo Rauch, Hitze oder giftige Gase jeden Einsatz ohne Schutz unmöglich machen würden – beim Innenangriff in einem brennenden Gebäude, bei der Menschenrettung aus verrauchten Räumen oder schon beim Autobrand, bei dem Rauchgase und Kunststoffdämpfe ein ernstes Risiko sind.
Atemschutz zählt zu den wirksamsten Mitteln der Feuerwehr und zugleich zu jenen, bei denen am meisten schiefgehen kann. Darum gilt ohne Ausnahme: Die Sicherheit der Einsatzkräfte geht vor. Gefährliche Lagen werden nicht „mutig“ gelöst, sondern durch Übung, klare Abläufe und eingespielte Zusammenarbeit entschärft. Themen wie Flashover und Backdraft stehen deshalb im Kern der Ausbildung.
Taktik
Wie wichtig gut ausgebildete Atemschutztrupps sind, zeigten die großen Brände der letzten Jahre: Beim Dachstuhlbrand im Ortszentrum am 7. Dezember 2021 waren 15 Atemschutztrupps im Innenangriff und auf der Teleskopmastbühne im Einsatz, beim Brand von Traktor und Ballenpresse im August 2021 musste der Strohballen unter schwerem Atemschutz ausgeräumt werden, beim Wohnhausbrand in Stiftung am 6. Jänner 2023 führte die FF Reichenthal einen Innenangriff durch. Bei solchen Großeinsätzen wird das Atemschutzfahrzeug der FF Ottensheim nachalarmiert, das leere Flaschen direkt an der Einsatzstelle wieder befüllt.
Technik, die funktionieren muss
Fit für den Ernstfall
Atemschutzträger brauchen Fitness, Erfahrung und regelmäßiges Training. Neben den Atemschutzübungen im Jahresprogramm sind viele Monats- und Zugsübungen bewusst mit Atemschutz angelegt – so üben Trupps, Atemschutzüberwachung und Löschgruppe das Zusammenspiel.
| Übungen | 3 pro Jahr und Träger |
| Finnentest (Leistungstest) | jährlich |
| Atemschutzuntersuchung mit Leistungs-EKG | alle 5 Jahre |
| Brandcontainer | Training mit echter Hitze und Nullsicht |
| Atemschutzstrecke | Kriechgänge, Engstellen, Orientierung |
| Gerätewartung | nach jedem Einsatz und laut Prüfintervall |
Der Aufwand ist beachtlich: Schon 2020 investierte das Atemschutzteam rund 70 Stunden in die Instandhaltung und 120 Stunden in die Ausbildung.
Atemschutzteam
Das Atemschutzteam pflegt Pressluftatmer, Masken und Flaschen, dokumentiert jede Prüfung und plant die Übungen. Interesse, Atemschutzträger zu werden? Voraussetzung sind die Grundausbildung, die Atemschutzuntersuchung und der Atemschutz-Lehrgang – den Rest lernst du im Team.